Foto©Simon Menges

Preisträger BDA PREIS BERLIN 2015

Joachimstraße

Berlin

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Joachimstraße

Berlin
Projekt
Joachimstraße
Architekt
David Chipperfield Architects
Bauherr
Grundstücksgesellschaft Joachimstraße 11 GmbH & Co. KG, vertreten durch Eva Schad und Harald Müller

Die Jury würdigt mit diesem Projekt mit Büro-, Wohn- und Galerienutzung die sensible architektonische Intervention in einem schwierigen städtebaulichen Kontext. Das Projekt liegt im Berliner Scheunenviertel und zeichnet sich durch eine subtile Raumfigur aus, die sich rhythmisch verengend und weitend über drei Höfe in die Tiefe des Grundstücks erstreckt. Vier neue Baukörper in monolithischem Dämmbeton ergänzen das viergeschossige historische Gebäude einer ehemaligen Klavierfabrik im rückwärtigen Teil des Grundstücks. In subtiler Bezugnahme folgen die Außen- und Innenräume und die Gebäudevolume sowohl in Proportion, Materialität und Oberflächengestaltung einer Grundidee. Es ist die konzeptuelle Stringenz, die dem Ensemble seine eindrückliche architektonische Präsenz verleiht.

Von der Straße her kommend durchquert man in diagonaler Richtung eine Abfolge von Höfen und Durchgängen. Zwei Gebäude, die ohne die volle Ausnutzung der Kubatur sich am Bestand orientieren, und die Passage dazwischen trennen und verbinden zugleich den ersten vom zweiten Hof. Die freie Raumfigur steht in spannungsvollem Kontrast zur Fassade, in die analog zur Figur der Höfe großformatige Fenster in freier Ordnung eingesetzt sind. Über diese setzt sich das Raumkonzept im Inneren der Gebäude fort, was wesentlich zur räumlichen Kontinuität und zum Eindruck eines fließenden Raumes beiträgt. Es ist Teil der besonderen Raumerfahrung, dass die zwei Gebäude im inneren des Hofes offen lassen, wo sie Vorder- und wo sie Rückseite sind.

Die besondere Atmosphäre des Projekts scheint sich der Umkehrung der üblichen Entwicklungsstrategie zu verdanken. So scheint das Ensemble nicht, wie üblich, von der Schließung des Blockrands ausgehend in die Tiefe des Grundstücks entwickelt zu sein – obwohl man das Ensemble von der Straße kommend in dieser Abfolge erfährt –, sondern umgekehrt von der Tiefe des Grundstücks heraus, ausgehend von der Klavierfabrik, nach vorn zur Straße hin. Die Blockrandschließung ist nicht Anfang, sondern Abschluss der räumlich-architektonischen Figur. Auch sind die Höfe nicht mehr einfach Hinterhöfe, sondern das eigentliche Thema, dem die konsequente Behandlung des Blockrands und des Straßenraums sich unterordnet. Das Projekt stellt so einen über die Debatten der vergangenen Jahre hinausgehenden, weiterführenden Beitrag zum Thema des Umgangs von innerstädtischen Brachen und Baulückenschließung in Berlin dar.

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Foto©Ute Zscharnt
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Preisträger

BDA PREIS BERLIN 2015 – BDA PREIS BERLIN 2015